Interview mit Kornelia Schoen, Solawi-Koordinatorin Depot Eitorf

Foto: Elisabeth Quitmann
Foto: Elisabeth Quitmann

Was ist eigentlich Solidarische Landwirtschaft?

In einer SoLaWi schließen sich Freunde der regional-saisonalen Bio-Ernährung zusammen und finanzieren fürs komplette Anbaujahr eigene Gärtner, der für die SoLaWi-Mitglieder ökologisch und bodenschonend rund ums Jahr Gemüse anbaut. Die SoLaWi-Mitglieder verpflichten sich, für ein ganzes Anbaujahr dazu, einen festen monatlichen Beitrag zu zahlen, um die Kosten der Lebensmittelerzeugung zuverlässig abzudecken. Dadurch wird der Einzelhandel „umgangen“ und unsere Gärtner müssen nicht mit anderen Landwirten in Preiskonkurrenz treten. Zusätzlich wollen wir unseren Gärtnern auch faire Löhne zahlen und unter uns Mitgliedern wiederum alle Kosten solidarisch aufteilen.

 

Wo ist der Unterschied zu einer normalen Gemüsekiste?

Der zentrale Unterschied liegt darin, dass die SoLaWi-Mitglieder die Risiken des Gemüseanbaus tragen. Wenn es ein schlechtes Möhren-Jahr wird, erhält man entsprechend weniger Möhren. Wenn es eine Kürbisschwemme gibt, sucht man sich ausgefeiltere Kürbis-Rezepte raus. Die wöchentliche Gemüsemenge schwankt je nach Saison. Im Winter kann es sein, dass sie gerade übers Wochenende reicht. Im Herbst kommt man mit dem Essen bisweilen kaum hinterher. Man zahlt also nicht den Preis für das einzelne Lebensmittel wie im Supermarkt, sondern man bezahlt die Gärtner für den Anbau. Eine normale Bio-Kiste wird auch aufgefüllt mit Produkten aus dem breiten Sortiment eines Bioladens, also mit Obst, Gemüse oder evtl. auch Brot, Milch, Eiern und Trockenprodukten, die nicht aus der Region kommen – und eine normale Bio-Kiste wird vom Lieferservice direkt vor die Haustür geliefert, so dass man selbst die Abholung spart. Dafür sind das soziale Miteinander, der klare Fokus auf Saisonalität, die faire Bezahlung der Gärtner und eine Anbauweise, die mehr Permakultur-Elemente wie Mulchen, Humusaufbau, Anlage von Hecken zur Erhaltung der Artenvielfalt erlaubt, eindeutige Pluspunkte für die SoLaWi.

 

Wann und wo kann ich mein Gemüse abholen?

Geerntet wird jeden Freitag. Anschließend wird das Gemüse auf die Depots verteilt und kann dort abgeholt werden. Die Belieferung des Eitorfer Depots müssen wir Eitorfer SoLaWi-Mitglieder selbst organisieren. Wir haben schon ein paar Ideen, wo dieser sonnengeschützte, kühle Lagerraum sein könnte – die Entscheidung wird dann aber von allen Eitorfer Solawisten gemeinsam getroffen.

 

Was ist ein Ernteanteil?

Ein Ernteanteil versorgt durchschnittlich zwei Erwachsene mit Gemüse. Eine Familie mit zwei oder mehr Kindern müsste daher eher zwei Ernteanteile buchen. Es gibt nur saisonales Gemüse, da alles Gemüse vom eigenen Acker der SoLaWi kommt. Im Sommer sind die Erntekisten dann recht voll und im Winter gibt es etwas weniger. Dabei lernen wir alle wieder, wann es Zucchini und Tomaten gibt – und wann eben nicht. Und wir erinnern uns gemeinsam, was man mit Sellerie oder Kohl so alles Leckeres kochen kann. Was ein Ernteanteil zu verschiedenen Jahreszeiten umfassen kann, sieht man hier: https://de-de.facebook.com/HanferHof.

 

Was ist eine Bieterrunde und was kostet ein Ernteanteil?

Bei der Bieterrunde stellt der Landwirt seine Planung für das nächste Jahr vor. Das beinhaltet auch die finanzielle Planung – laufende Kosten für Gehälter, Pacht, Saatgut, Jungpflanzen. Diese Gesamtkosten werden durch die Anzahl der Mitglieder und durch 12 Monate geteilt, um den Preis für einen monatlichen Ernteanteil zu erhalten - im Durchschnitt 94 Euro/Monat. Doch die Kosten werden solidarisch untereinander aufgeteilt. Das bedeutet, dass einige Menschen etwas weniger zahlen und einige etwas mehr, jeder nach der eigenen Einschätzung seiner finanziellen Möglichkeiten. Am Ende muss natürlich die Summe stimmen. Ansonsten wird die Bieterrunde erneut durchgeführt und jeder kann nochmal überlegen, wieviel ihm sein Anteil „wert“ ist. Die Gebote werden dabei anonym abgegeben. Die Bieterrunde für das im Mai startende Anbaujahr findet meist schon im März statt. Wer nicht selbst teilnehmen kann, kann sich vertreten lassen.

 

Was mache ich im Urlaub?

Wenn man seinen Ernteanteil einmal nicht abholen kann, ist das kein Problem. Wir haben immer jemanden gefunden, der sich über das leckere Gemüse freut J. Aber man bekommt seinen monatlichen Beitrag natürlich nicht zurück.

 

Für wie lange muss ich mich festlegen?

Man legt sich verbindlich für ein Jahr fest, um dem Landwirt eine Planungssicherheit zu geben. Das Gartenjahr erstreckt sich vom 1. Mai bis zum 30. April. Mittendrin ein- oder auszusteigen sollte vermieden werden. Falls jemand mittendrin umzieht, konnte aber bisher immer eine gute Lösung gefunden werden.

 

Kann ich auch selber mitarbeiten?

Für die „täglichen“ Arbeiten sind professionelle Gärtner angestellt. Man kann sich aber in verschiedenen Gruppen engagieren – Bodenverbesserung, Kommunikation, Gemüsepatenschaften. Zum Beispiel gibt es beim Hanfer Hofgemüse eine Gruppe, die sich um Bohnenanbau kümmert. Neben Orga-Treffen ist die Aufgabe der SoLaWi-Mitglieder vor allem, freitags die Depots zu befüllen. Auf dem Feld gibt es aber auch wunderbare Gemeinschaftsaktionen wie Kartoffelkäfer sammeln, Kürbisse ernten oder eine Hecke anlegen ;-). Beteiligung ist also möglich und durchaus erwünscht. Gespräche darüber, wie man den Humus im Boden noch besser aufbauen kann oder welche Rote Bete Rezepte es noch gibt, können aber auch sehr nährend sein 😊.

 

Kann ich noch mehr Lebensmittel vom Hanfer Hof bekommen?

Der Hanfer Hof ist Demeter zertifiziert. Neben der SoLaWi gibt es dort noch Milchkühe und Getreideanbau. Wenn man einmal dort ist, kann man Rohmilch, Dinkel und Roggen dazukaufen. Dies ist dann aber natürlich nicht im SoLaWi Ernteanteil enthalten.

 

Was sind kurz zusammengefasst die Vorteile einer SoLaWi?

Die Vorteile liegen ganz klar darin, regional erzeugte Bio-Lebensmittel verfügbar zu haben und damit natürlich auch weniger CO2 und Ressourcen zu verbrauchen. In der Kiste ist unser Essen natürlich auch „unverpackt“, wodurch kein Müll anfällt. Außerdem finde ich es auch sehr wichtig, dass in der Landwirtschaft faire Löhne gezahlt werden können. Und zu guter Letzt ist es einfach schön, „sein“ Gemüse quasi von Anfang an zu kennen. Ich weiß, wann es gesät und geerntet wird, kenne die Gärtner und auch die anderen SoLaWi-Mitglieder. So macht Ernährung richtig Spaß J.