Fotos: Links oben und unten: (c) Thomas Wirtz. Rechts: (c) Kirsten Spitz
Falls die RSAG tatsächlich den Recyclinghof teilweise schließt, braucht Eitorf Ideen für neue Nutzungen der Gewerbefläche. Wie wär`s mit einem solaren E-Ladepark und Großspeichern? Auf diese Idee kam der Klimatreff nach einem Ausflug zum größten Solar-Ladepark Europas in Hilden.
Dort wird Solarstrom getankt – an 62 Schnelladepunkten und 40 weiteren Stellplätzen, bei denen man mit 7 bzw. 22 kW etwas mehr Zeit mitbringen muss. Dazu gibt es vier „Schuko“-Haushaltssteckdosen, wo Kleinfahrzeuge wie E-Scooter geladen werden, sowie eine Batterie-Wechselstation für ganz Eilige.
Sitz-Bänke und Bistrotische neben den Ladesäulen machen das Warten ganz ohne Verbrenner-Abgase offensichtlich entspannt. Das Highlight während der Ladezeit: Das Bistro „Seed & Greet“ mit köstlichem Kuchen, Brot und Pizza. Der überregional bekannte Bio-Bäcker und Betreiber des Ladeparks hat seine Flotte zum Ausliefern der Brötchen auf E-Transporter umgestellt und erhielt für sein Energiekonzept den deutschen Nachhaltigkeitspreis.
„Es kommt häufiger vor, dass mein Auto auf mich warten muss, statt umgekehrt“, sagt Thomas Wirtz vom Klimatreff Eitorf, der hier regelmäßig Gast auf dem Rückweg von seiner Arbeit in Düsseldorf ist. Der Informatiker trifft hier auf ebenso begeisterte E-Auto-Fahrer und wähnt sich als Mitglied einer regelrechten Community.
Was diese neben der Technik begeistert, ist die Klimafreundlichkeit: „Der Ladestrom wird großteils vor Ort erzeugt: Solardächer mit 435 Kilowatt Peak PV-Leistung [Anmerkung: Hier stand vorher 143 kWp - das war falsch - sorry] plus zwei containergroße Batterien mit je einer Megawattstunde Speicherkapazität machen das möglich.“ Davon sind 336 Kilowatt Dach-PV installiert und zusätzlich sieben "Solarbäume", die sogar der Sonne nachgeführt werden und deshalb eine optimale Stromausbeute bringen. Lediglich für die Schnellladesäulen muss teilweise zusätzlich Strom aus dem öffentlichen Netz zugekauft werden - dies ist dann aber Ökostrom. Die beiden Batterie-Speicher seien von einem deutschen Hersteller, betont Wirtz.
„Ein - etwas kleinerer - Ladepark im Auel könnte Eitorf überregional attraktiver und zukunftssicher machen“, ist Wirtz überzeugt. Die Nähe zum Umspannwerk mache den Stromanschluss simpel. Der Strom der in Eitorf geplanten Windräder könnte netzdienlich vor Ort genutzt und gespeichert werden. Der Ladepark wäre geeignet für alle Eitorfer*innen, die keinen Zugang zu einer heimischen Wallbox haben - oftmals Mietende oder Bewohner*innen von Mehrparteienhäusern. Aber auch Städter, die aufs Land ziehen wollen, ziehen Gemeinden mit Ladepark eher in die engere Wahl.
Anders als beim Ladepark Hilden, der an einer Autobahn liegt, ist Eitorf von der nächsten Autobahnauffahrt 15 km entfernt. Die B8 in Uckerath ist immerhin gut 8 km weit weg. Aber Eitorf liegt an der L333 - und hat einigen Durchgangsverkehr, der nur einen Mini-Abstecher durchs Gewerbegebiet machen müsste. Der Ladepark könnte Eitorf daher mit LKW- und Bus-Ladesäulen sowie PKW-Schnellladestationen durchaus auch interessant machen für Gewerbe (zukünftige RSVG-E-Busse?, E-Müllabfuhr?), Fernreisende und Tourismus. Für Besucher*innen wären Fitnessstudio, Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten fußläufig erreichbar. Gäste des Schützenhofs könnten ihre Fahrzeuge schnell für die Rückreise nachladen. So würde der lokal erzeugte Ökostrom als Teil der lokalen, emissionsfreien Antriebswende nutzbar.
Vollelektrischer Muldenkipper und Müllwagen. (c) Thomas Wirtz
Ein erstes Gespräch mit der Wirtschaftsförderung der Gemeinde Eitorf gab es dazu bereits. Aber da der Klimatreff keinen Investor mitbringen kann, bleibt das ganze erstmal eine gute Idee - nicht mehr und nicht weniger.
Der Klimatreff Eitorf setzt sich für mehr Radverkehr und besseren ÖPNV ein, damit es weniger Autos, weniger CO2-Ausstoß und weniger versiegelte Flächen durch Parkplätze gibt. Dennoch wird im ländlichen Siegtal das Auto immer eine wichtige Rolle spielen – dafür ist der Elektroantrieb die Zukunft.